Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Erzählen im Montafon

Antragsteller: Dr. MMag. Edith Hessenberger, MMag. Michael Kasper, Bürgermeister Rudi Lerch
Bundesland: Vorarlberg

Im Montafon, einem Vorarlberger Gebirgstal, entwickelten sich im Rahmen der täglichen Kommunikation Erzählgemeinschaften. Die Inhalte, Wertvorstellungen und Muster der lokaltypischen Sagen und Erzählungen gehen auf das 19. und 20. Jahrhundert zurück. Die Erzähltradition ist noch heute ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft und wird im Alltag ebenso wie zu besonderen Anlässen gepflegt. Die Menschen im Montafon wie auch zahlreiche kulturelle Initiativen tragen aktiv zur Sammlung und Erhaltung des lokalen Erzählguts bei, das seit dem 19. Jahrhundert auch im Interesse der wissenschaftlichen Forschung steht.


Klassische Reitkunst und die Hohe Schule der Spanischen Hofreitschule

Antragsteller: Spanische Hofreitschule - Bundesgestüt Piber Ges.ö.R., Mag. Erwin Klissenbauer
Bundesland: Wien

Das Wissen um die klassische Reitkunst und die Hohe Schule auf und über der Erde wird bis heute an der Spanischen Hofreitschule in Wien von einer Bereitergeneration an die nächste mündlich weitergegeben und in nationalen wie internationalen Reitvorführungen der Öffentlichkeit präsentiert. Die jungen ElevInnen und BereiteranwärterInnen lernen nicht nur von ihren älteren Kollegen, sondern auch von den Schulhengsten selbst.


Lieder der Lovara

Antragsteller: Ruzsa Nikolić-Lakatos
Bundesland: Burgenland, Wien

Lieder sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturtradition der Lovara. Der Begriff „Lovara“ geht auf das ungarische Wort für „Pferdehändler“ zurück – den traditionellen Beruf der Lovara. Die Lieder handeln meistens von der Familie und der Gemeinschaft, aber auch die Rolle des Einzelnen und die frühere Lebensweise der Lovara spiegeln sich in ihnen wider. Zudem sind die Lieder ein „Speicher“ der Sprache, beinhalten sie doch für diese Roman-Variante typische Phrasen, Metaphern, Sprechformeln oder auch nur einzelne Ausdrücke, die heute im alltäglichen Gebrauch kaum mehr (bzw. gar keine) Verwendung finden.


Märchenerzählen

Antragsteller: Helmut Wittmann
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Märchenerzählen ist die Kunst, Menschen mit Geschichten auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.


Montafoner Dialekt, Muntafunerisch

Antragsteller: MMag. Michael Kasper
Bundesland: Vorarlberg

„Muntafunerisch“ stellt eine Besonderheit innerhalb der österreichischen Mundarten dar. Eingebettet in die Vorarlberger alemannisch-schwäbische Dialektlandschaft zeichnet sie sich durch Beibehaltung älterer Lautworten, sogenannter Reliktwörter aus. Diese stammen aus der Siedlungsgeschichte des Montafon. Das Rätoromanische wurde zwar um 1300 durch die Einwanderung der Walser verdrängt, geblieben sind bis heute jedoch mindestens 200 Reliktwörter, Redewendungen sowie grammatikalische Eigenheiten und ein enorm breites Lautinventar fast ohne Diphtonge. Der Montafoner Dialekt ist auch heute noch zentraler Teil der Identität und wird im Alltag verwendet. Sowohl in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit oder öffentlichen Anlässen wird er gepflegt und so von Generation zu Generation weitergegeben.


Österreichische Gebärdensprache

Antragsteller: Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) bildet das soziale und kulturelle Fundament der österreichischen Gebärdensprachgemeinschaft. Sie ist die Muttersprache gehörloser Menschen in Österreich und somit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Seit 2005 ist die ÖGS rechtlich als eigene Sprache anerkannt, jedoch verstehen sich deren AnwenderInnen noch immer als sprachlich-kulturelle Minderheit in Österreich. Die ÖGS wird hauptsächlich von gehörlosen Personen gesprochen und vereinzelt auch von hörenden Menschen als zusätzliche Sprache erlernt. Sie wird österreichweit verwendet und beinhaltet Dialekte, die sich durch regionale Spezifika auszeichnen. Bereits im Jahr 1779 wurde in Wien die erste Gehörlosenschule gegründet. Seither wird die Sprache in entsprechenden Schulen, Vereinen und Familien gepflegt und überliefert. Zudem wird sie in Form von Poesie, Theater und darstellender Kunst übermittelt.


Ötztaler Mundart

Antragsteller: Prof. Dr. Hans Haid, Ötztal-Archiv des Ötztaler Heimatvereins
Bundesland: Tirol

Die Ötztaler Mundart stellt das stärkste und am meisten prägende Element der lokalen Identität der Bevölkerung des Ötztales dar. Sie blickt auf eine rund 900-jährige Tradition zurück.


Roman - die Sprache der Burgenland-Roma

Antragsteller: Barbara Schrammel i.V. Verein [spi:k] und Emmerich Gärtner-Horvath i.V. Verein Roma Service
Bundesland: Burgenland

Beim Roman handelt es sich um eine Varietät des Romani, die spezifisch für die im Burgenland lebenden Roma ist und ausschließlich auf österreichischem Staatsgebiet gesprochen wird. Das Roman kann auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken und wird heute in allen gängigen Medien der Burgenland-Roma verwendet. Gesprochen wird Roman hauptsächlich im familiären Umfeld, aber auch mit Freunden und anderen Mitgliedern der Volksgruppe. Die Weitergabe des Roman erfolgt in erster Linie außerhalb der Familien in Form von Sprachkursen für verschiedene Alterstufen. Da dem Roman seitens der Mehrheitsbevölkerung ein nur geringes Ansehen eingeräumt wird und kaum Interesse daran besteht, sind viele Roma im Burgenland dazu übergegangen, sich hauptsächlich der Mehrheitssprache Deutsch, aber auch der beiden Minderheitensprachen Kroatisch und Ungarisch zu bedienen.


Slowenische Flur- und Hofnamen in Kärnten

Antragsteller: Vertreter der Bürgerinitiativen, Vinko Wieser
Bundesland: Kärnten

Die überlieferten slowenischen Flur- und Hofnamen stellen eine wichtige Quelle zum Verständnis für die wirtschaftlichen, sozialgeschichtlichen und sprachlichen Entwicklungen des Kärntner Raumes dar. Sie sind Bestandteil des Kulturerbes der Kärntner SlowenInnen sowie auch der deutschsprachigen BewohnerInnen der Region.


Vorarlberger Flurnamen

Antragsteller: Mag. Dieter Petras, Thomas Gamon und BM Mag. Harald Sonderegger
Bundesland: Vorarlberg

Da sich Fluren und Äcker in oft weiter Entfernung der Dörfer und Höfe befinden, war ihre genaue örtliche Benennung von großer Bedeutung für das Abschließen von Verträgen, die Erstellung von Wegbeschreibungen und die Berechnung zu entrichtender Abgaben. Über Jahrhunderte hinweg bildeten die dadurch entstandenen Orts- und Flurnamen einen selbstverständlichen Bestandteil der bäuerlichen Lebenswirklichkeit. Erst im Laufe der tief greifenden landwirtschaftlichen Umstrukturierungen nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere ab den Sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden viele Flurnamen obsolet und drohten, in Vergessenheit zu geraten.