Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Maultrommelspiel in Österreich

Antragsteller: Obmann Dr. Franz Kumpl für den Österreichischen Maultrommelverein
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2012

Das Maultrommelspiel zählt zu den ältesten Musikpraktiken der Menschheit und ist vor allem bei den asiatischen Turkvölkern und in Europa verbreitet. Die Maultrommel ist ein Bordun-Instrument, das aus verschiedenen Materialen, z.B. Metall oder Bambus, hergestellt wird. Dabei haben sich Zentren der Produktion und des Spiels mit eigenständigen Charakteristiken herausgebildet. Seit dem Mittelalter ist Molln (siehe Eintragung “Die Erzeugung der Mollner Maultrommel”) die österreichische Erzeugungsstätte, wo sich sogar eine eigene Zunft der Maultrommelmacher etablieren konnte. Historisch spielte die Maultrommel im Alpenraum sowohl bei der Liebeswerbung wie auch beim geselligen Musizieren eine wichtige Rolle. In Österreich ist das Maultrommelspiel bis heute besonders durch die Wechseltechnik charakterisiert. Dabei verwendet ein Spieler zwei bis vier unterschiedlich gestimmte Maultrommeln entweder als Soloinstrument, im Duett oder als Trio, am häufigsten jedoch in Verbindung mit anderen Instrumenten.

Systematisch ist die Maultrommel den Aerophonen zuzuzählen. Die Mundhöhle bildet den Resonanzraum, durch deren Veränderung verschiedene Teiltöne aus dem Obertonspektrum favorisiert werden, wobei der Grundton als Bordun immer mitklingt. Dynamik und Rhythmus werden durch den Atemstrom bestimmt, während mit Hilfe von Lippen und Zungen klangliche Nuancen, d.h. Melodien erzeugt werden.

Der Ursprung des Maultrommelspiels als Volksmusikinstrument der alpin-ländlichen männlichen Bevölkerung geht auf das Mittelalter zurück, dessen Produktion sich aufgrund des jahrhundertelangen Eisenerzabbaus am Erzberg auf den im Steyrtal gelegenen Ort Molln konzentriert hat. Seit 1679 hat sich eine eigene Zunft der Maultrommelmacher herausgebildet.

Im Alpenraum spielte die Maultrommel eine wichtige Rolle bei der Liebeswerbung am Kammerfenster. Sie hat sich schon früh zu einem Instrument geselligen Musizierens entwickelt. Bereits unter Kaiser Maximilian I ist das Maultrommelspiel durch den Hofnarren bekannt. Der Maultrommelvirtuose Franz Paula Koch (1761-1831) aus Salzburg spielte vor Goethe und dem englischen König. 1765 komponierte Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809), der Lehrer Beethovens, sieben Konzerte für Maultrommel, Mandora und Streicher. Bekannte Literaten wie Peter Handke und Bodo Hell haben die Maultrommel als Klangfarbe für ihre Literatur entdeckt.

Nachdem die Maultrommel von der Mundharmonika verdrängt wurde, erlebte sie eine Renaissance ab den 60er Jahren. 1997 wurde der Österreichische Maultrommelverein gegründet. 1998 fand das dritte Internationale Maultrommel-Festival in Molln statt.

Das Maultrommelspiel in Österreich ist durch die Wechseltechnik charakterisiert. Dabei verwendet ein Spieler zwei bis vier unterschiedlich gestimmte Maultrommeln entweder als Soloinstrument, im Duett, als Trio, am häufigsten jedoch in Verbindung mit anderen Instrumenten.

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