Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Festbrauch der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau

Antragsteller: Obmann Rudolf Paschek für den Bezirksverband der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau
Bundesland: Steiermark
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2012

Fünf Bürger- und Schützengarden sind im Bezirksverband Murau organisiert: die Murauer Bürgergarde, die Schützengarde Krakaudorf, die Schützengarde Krakauebene, die Prangschützengarde Ranten und die Schützengarde der Pfarrgemeinde St. Peter am Kammersberg. Ihre Entstehungsgeschichten lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Als Ehrengarden rücken sie mehrmals im Jahr bei festlichen Anlässen und kirchlichen Prozessionen aus und erhöhen dadurch die Feierlichkeit des Geschehens. Durch die traditionelle Verbindung zur Kirche gehören Fronleichnam und das Patroziniumsfest zu den fix festgelegten Terminen der Ausrückungen. Die Garden fungieren als Ehrenschutz bei Jubiläen, Hochzeiten und Besuchen von hochrangigen Persönlichkeiten. Sie zeichnen sich durch traditionelle Uniformen und Ausrüstungsgegenstände sowie durch ihren typischen Marsch aus.

Die meisten der bestehenden Formationen entwickelten sich im Laufe der vergangenen 500 Jahre aus den örtlichen Schutztruppen oder zum Schutz vor protestantischen „Störaktionen“ während der Zeit der Reformation und Gegenreformation. Die heutigen Garden setzen den Beginn ihrer Tradition unterschiedlich an: Die Prangschützengarde Ranten um 1740, die Krakaudorfer Schützengarde um 1811, die Schützengarde Krakauebene um 1813 und die Schützengarde St. Peter am Kammersberg um 1790. Die Murauer Bürgergarde lässt sich bis ins beginnende 17. Jahrhundert zurückverfolgen, besteht in ihrer heutigen Vereinsform aber erst seit 1929.

Die Uniformen gehen auf das wiederholte Kriegsgeschehen in napoleonischer Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts und dem damit verbundenen, verbindlichen Erscheinungsbild der Soldaten zurück. Daraus haben sich u.a. farbenfrohe Uniformen mit frackartigem Oberteil aus grünem oder braunem Tuch mit roten Aufschlägen und weißen Hosen entwickelt. Eine Besonderheit bei festlichen Anlässen ist neben dem Abfeuern der Generaldecharge auch das Fahnenschwingen, welches ausschließlich von den Garden aus Ranten und St. Peter ausgeübt wird.

Die einzelnen Gardenmitglieder stammen aus allen sozialen Schichten. Dabei wird die Tradition von Generation zu Generation weitergegeben. Seit dem 20. Jahrhundert nehmen die Garden neben ihrer Repräsentationsfunktion im kirchlichen und weltlichen Bereich auch eine soziale Funktion im Sinn eines Vereinslebens ein, wobei die Teilnahme an örtlichen Festlichkeiten von Garde zu Garde unterschiedlich ist. Obwohl sich in den späten 1980er Jahren die einzelnen Garden mit dem Ziel einer besseren Vernetzung zu einem Bezirksverband zusammengeschlossen haben, pflegt jede unverändert eigene Traditionen und ein eigenes Erscheinungsbild.


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