Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Gasteiner Perchten

Antragsteller: Andreas Mühlberger i.V. Verein Gasteiner Perchten
Bundesland: Salzburg
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Die Tradition des Gasteiner Perchtenlaufs reicht bis zu den Faschingsläufen der Renaissancezeit und des Rokoko zurück und findet alle vier Jahre zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag im Raum Bad Gastein und Bad Hofgastein statt. Unter den ungefähr 140 verschiedenen mitlaufenden Figuren (unter anderem Perchtenmusik, Heilige Drei Könige, Schleifermandl, Hanswurste, Hexen, Kramperl und Schnabelperchten) befinden sich auch rund 30 Kappenträger, die einen eindrucksvollen, meist mehrere Meter hohen Kopfschmuck tragen. Die Kappenträger bringen dabei den ZuschauerInnen entlang des Weges in Form einer kurzen Tanzdarbietung und einer Verbeugung auf Befehl des Perchtenhauptmanns Glück- und Segenswünsche. Aufgrund seiner hohen Teilnehmerzahl und der langen zurückgelegten Distanz zählt der Gasteiner Perchtenlauf zu den größten Veranstaltungen seiner Art im Alpenraum und genießt das rege Interesse der Bevölkerung.

Der Gasteiner Perchtenlauf ist ein fester Bestandteil des Gasteiner Jahresablaufs und wird im Raum Bad Gastein und Bad Hofgastein praktiziert. Er ist Identifikationssymbol der lokalen Bevölkerung und zieht zahlreiche Interessierte aus der weiteren Umgebung an. Die Organisation wird vom Gasteiner Perchtenverein übernommen, der sich um die regelmäßige Ausrichtung im Vierjahresrhythmus und die damit in Zusammenhang stehenden Belange kümmert.

Die Weitergabe an die jeweils nächste Generation erfolgt mündlich und durch den Eintritt in den Verein Gasteiner Perchten. Je nach Alter und Mitgliedsjahren übernehmen die Vereinsmitglieder verschiedene Aufgaben und Rollen im Zug und erreichen sukzessive immer höhere Stufen in der Hierarchie, wobei die Kappenträger besonderes Ansehen genießen. Durch die hohe Bedeutung des Perchtenlaufs für die Bevölkerung gibt es genügend junge Nachfolger.

Die Ursprünge des Gasteiner Perchtenlaufs lassen sich bis in die Zeit der Renaissance zurückverfolgen. Er weist viele Gemeinsamkeiten mit den Inntaler Faschingsläufen auf, da sich nach der Protestantenvertreibung 1733 Unterinntaler Bauern im Gasteinertal ansiedelten und ihre Bräuche mitbrachten. Im Laufe der Jahrhunderte war der Perchtenlauf mehrmals von Verboten der weltlichen und kirchlichen Obrigkeiten betroffen, für die er ein Sicherheitsrisiko darstellte. Eine regelmäßige Aufführungspraxis stellte sich erst ab der Wende zum 20. Jahrhundert ein. Die Gestaltung der Kostüme, das Auftreten von so genannten Schiach- und Schönperchten und die Teilnehmeranzahl am Lauf sind seit damals ständigen Änderungen unterworfen. Mit dem Neubau eines Perchtenheims zur Präsentation von Exponaten sowie einer verstärkten Medienarbeit sollen neue Impulse für diesen Brauch gesetzt werden.

Der Perchtenlauf bildet ein wichtiges identitätsstiftendes Element der Bevölkerung im Gasteiner Raum. Die Mitgliedschaft beim Verein Gasteiner Perchten ist ein wichtiger Faktor für die Wertigkeit einzelner Personen im sozialen Gefüge. Auch die örtliche Bevölkerung ist in den Perchtenlauf eingebunden und verfolgt das Treiben mit Interesse. Der Perchtenlauf weist auch ein hohes Maß an Kontinuität auf. So haben sich im Laufe der Zeit zwar verschiedene Details in der Ausgestaltung geändert, die wesentlichen Elemente aber blieben erhalten.

Der Gasteiner Perchtenlauf soll den ZuschauerInnen mittels eines kurzen Tanzes und einer Verbeugung der kappentragenden Schönperchten Glück und Segen bringen.

Es werden mehrere potenzielle Gefährdungen der Gasteiner Perchten genannt. Problembereiche sind die Fehlinterpretation der Perchtenläufe sowie deren Vermischung mit diversen Krampusläufen sowie auch die Überwindung von bürokratischen Hürden, um notwendige Genehmigungen und Bewilligungen für Straßensperren, etc. zu erhalten.

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