Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Herstellung von Terrazzo in traditioneller Handwerkstechnik

Antragsteller: Ing. Gabriele Pia Stuhlberger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2017

Terrazzo ist ein langlebiger, beanspruchbarer und pflegeleichter Bodenbelag mit vielfältigen Mustermöglichkeiten. Portionsweise wird mit Schaufeln Mörtel aufgetragen und je nach Terrazzoart händisch Steine mit einem Korndurchmesser von ca. 10 – 22mm dicht eingestreut. Anschließend werden die Terrazzokörner geprackt (= geschlagen), mit der eisernen Terrazzowalze gewalzt und mehrfach händisch geglättet, um eine gleichmäßige Kornverteilung zu garantieren. Nach der Aushärtung erfolgen mehrere Nassschliffe, dazwischen wird Spachtelmasse, die die TerrazzomacherInnen selbst herstellen, aufgetragen. So stellt jeder Terrazzoboden ein handwerkliches Unikat dar. Verwendet werden bevorzugt regionale Rohstoffe und die Fertigung kommt ohne chemische Zusatzstoffe aus.

Die traditionelle Handwerkstechnik des Terrazzos gibt es seit der Jungsteinzeit und war in Kleinasien, Griechenland und dem römischen Reich verbreitet. Nach Österreich kam der Terrazzo im Zuge der Ringstraßenära als ArbeiterInnen aus der K.u.K.-Monarchie bei der Errichtung der Prunkbauten beteiligt waren. Im Jugendstil war Terrazzo neben Bodenplatten aus Keramik einer der wichtigsten Bodenbeläge. Ab den 1920er Jahren und besonders dann in den 1950er und 1960er Jahren wurde Terrazzo bei der Errichtung von Gemeindebauten häufig für Stiegenhäuser, Küchen, Toiletten und Bädern verwendet. Die Verlegung eines Terrazzobodens ist arbeitsintensiv und verglichen mit anderen Bodenbelägen kostspieliger, sodass sich gegenwärtig nur mehr wenige dafür entscheiden. 1970 gab es noch 35 Terrazzofirmen in Wien, seit 2015 ist TerrazzomacherIn kein eigener Lehrberuf mehr und die Tradierung des Wissens um die Terrazzoherstellung in traditioneller Handwerkstechnik kann nicht mehr intensiv genug erfolgen, sodass die Gefahr des Verlustes besteht.


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