Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Ausseer Fasching

Antragsteller: Bernhard Laimer, Maschkera-Gesellschaft
Bundesland: Steiermark
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Der Ausseer Fasching findet von Faschingssonntag bis Faschingdienstag statt. Drei Hauptfiguren spielen dabei eine wesentliche Rolle: Trommelweiber, Flinserl und Pless. Trommelweiber als Form des im Fasching häufigen Geschlechtertausches begleiten, angeführt vom Obertrommelweib und der Trommelweiber-Blechmusik, mit ihren rhythmischen Trommelschlägen den Faschingsumzug am Sonntag. Flinserl und Pless erscheinen am Faschingsdienstag. Die Flinserl mit ihren prächtigen Gewändern und der Begleitfigur Zacherl stellen eine spezifische Faschingsformation des Ausseerlandes dar, deren Ursprung historisch bislang nicht geklärt ist, wobei Einflüsse aus dem venezianischen Fasching vermutet werden. Die Pless mit ihren Bienenkörben auf dem Kopf sollen den Winter vertreiben. Auch Maskierte („Maschkera“) ziehen in kleinen und größeren Gruppen von Lokal zu Lokal. An allen drei Tagen werden außerdem sogenannte Faschingsbriefe in diversen Gaststätten vorgetragen, wobei Missgeschicke, Ortspolitik und lokale Gegebenheiten aus dem alten Jahr in gereimter und gesungener Form aufs Korn genommen werden, unterstützt von handgezeichneten Bildern. Diese Faschingsbriefe werden von SängerInnen aus verschiedenen Teilgemeinden des Ausseerlandes präsentiert.

Die erste schriftliche Erwähnung des Ausseer Faschings ist auf 1524 datiert. Wichtiger Impuls für die Entwicklung des Ausseer Faschings war die Salzindustrie. Einerseits konnte sich durch den Salzhandel ein Bürgertum entwickeln, andererseits gab es ArbeiterInnen, die im Salzabbau und in der Verarbeitung tätig waren. Sie konnten einmal im Jahr im Fasching den Obrigkeiten ihre Meinung sagen.
Ausgehend von Bad Aussee hat sich die Tradition auf die umliegenden Orte Altaussee, Grundlsee, Pichl-Kainisch und Knoppen ausgebreitet. Der Ausseer Fasching ist mit Ausnahme der ‚Maschkera-Gesellschaft- nicht in Vereinen organisiert, bei den Gruppen handelt es sich um Gemeinschaften, die teilweise schon mehr als 200 Jahre an den „Heiligen drei Faschingstagen“ auftreten.
Seit dem 18. Jahrhundert gibt es Flinserl, Trommelweiber und Pless. Bei den Trommelweibern handelt es sich ursprünglich um bürgerliche Männer, die in Frauennachthemden - angeführt vom Obertrommelweib und der Trommelweiber-Blechmusik - mit ihren rhythmischen Trommelschlägen den Faschingsumzug am Sonntag begleiten. Pless sind junge Männer in wattierter Bekleidung mit Bienenkörben auf dem Kopf. Sie stellen den Winter dar und werden von Buben mit Schneebällen beworfen und verjagt. Der sogenannte Schmutzlappen, der an einem Stiel befestigt ist, dient den Pless zur Abwehr. Flinserl treten paarweise auf und tragen nach Vorbild der Commedia dell‘ Arte Leinenhosen, Röcke und Jacken, die mit hunderten Silberpailetten bestickt sind. Auf dem Kopf tragen sie einen Spitzhut und in einem bestickten Sack haben sie Nüsse bei sich, die sie Kindern zuwerfen, wenn sie traditionelle Sprüche aufsagen können. Begleitet werden die Flinserl von Zacherl, die weniger aufwändig gestaltete Kostüme tragen. Sie haben an Stielen befestigte Saublasen, mit denen sie dem Flinserlzug den Weg durch die ZuschauerInnen bahnen. Vor den Flinserln geht die Gruppe der Fischer. An ihren Angeln sind an Schnüren Süßigkeiten und Heringe befestigt, die von Kindern mit ihren Mündern „gefischt“ werden dürfen. In den letzten Jahrzehnten haben sich neben den Pless, Flinserl und Trommelweibern auch andere Gruppen gegründet. Die Arbeiterflinserl gibt es seit 2006, sie tragen blaue Arbeitsgewänder, die statt mit Silberpailetten mit hunderten Bierkapseln bestickt werden. Sie ziehen begleitet von einer Kapelle schon am Faschingssamstag von Lokal zu Lokal und verteilen Süßigkeiten. Die Altausseer Knopferl wurden 2000 von Frauen gegründet. Sie tragen Gewänder über und über mit Knöpfen benäht, eine Holzmaske sowie einen Hut mit Gamsbart. Die Knoppener und Obersdorfer Fleckerl haben wahrscheinlich denselben Ursprung wie die Flinserl. Sie gehen anders als die Flinserl von Haus zu Haus und verteilen Nüsse und Süßigkeiten an Kinder. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Ortsteilgruppen.

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