Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Aufstellen und Besuch der Landschaftskrippen im Salzkammergut

Antragsteller: Heimat- und Musealverein Ebensee
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Die Landschaftskrippen sind typische Volkskrippen, die die biblische Geschichte von der Geburt Christi in eine lokale Szenerie einbetten. Nachdem 1782 Kaiser Joseph II. den Kirchen per „Hofdekret“ das Aufstellen der oftmals sehr prunkvollen Krippen verboten hatte, begannen viele handwerklich Begabte, die Krippenfiguren nachzuschnitzen und diese bei sich zu Hause aufzustellen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus den kleinen Kripperln die figurenreichen und oftmals Zimmer füllenden „Landschaftskrippen“. Das alljährliche Aufstellen und der Besuch von hunderten Landschaftskrippen in Privathäusern in der Weihnachtszeit zeigt die auch heute noch große Bedeutung dieses Brauchs für die Bevölkerung im Salzkammergut.

Ungehindert - oder womöglich aufgrund - der Verbote durch die Habsburger entwickelte sich im Salzkammergut des 19. Jahrhunderts eine spezifische Form des Krippenwesens. Die Besonderheit der figurenreichen, überdimensional großen Landschaftskrippen zeigt sich bereits in der mundartlichen Unterscheidung zwischen Krippen für die kleinen Dreieckskrippen und „Krippö“ für die großen, raumfüllenden Landschaftskrippen. Charakteristisch ist ebenso die Ausgestaltung, die nicht nur die Landschaft des Salzkammergutes darstellt, sondern auch die Arbeiten und das Leben der Bauern, Hirten, Salinenarbeiter, Holzarbeiter, Jäger und Wilderer sowie das Almleben im Allgemeinen. Dabei haben sich besondere Typen von Figuren herausgebildet. Die Figuren für diese Krippen schnitzten vor allem Salinenarbeiter und Holzknechte in ihrer Freizeit, wobei auch heute noch die meisten „Schnegerer“ (Schnitzer) Amateure sind. Doch nicht nur die Kunst des Schnitzens wurde und wird von Generation zu Generation innerhalb der Familien weitergegeben. Auch die Gestaltung der zahlreich erhaltenen Landschaftskrippen und das „richtige“ Aufstellen der Krippe und der Figuren ist Teil dieses Wissens. Der alljährliche Aufbau der Krippen in den Privathäusern findet als vorweihnachtliches Ritual meist am 8. Dezember (Maria Empfängnis) statt, wobei das Jesuskind erst am 24. Dezember in die Krippe gelegt wird. Die Familien räumen oftmals ganze Wohnräume frei, um diese in der Weihnachtszeit von 8. Dezember bis 2. Feber (Maria Lichtmess) ausschließlich für die Krippe und den Besichtigungen durch hausfremde Personen, der sogenannten „Kripperlroas“, zur Verfügung zu stellen. Gerne erzählen dabei die stolzen Eigentümer die Geschichte ihrer Krippe für ihre Gäste.


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