Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Apothekeneigene Hausspezialitäten

Antragsteller: Kurapotheke Bad Ischl, Mag. Manfred Heimo Hrovat
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Apothekeneigene Hausspezialitäten, das Wissen um ihre Herstellung und die dazu erforderlichen Gerätschaften zählen seit langem zur gelebten Apothekentradition und stellen ein ursprünglich mündlich überliefertes, später in Rezepturbüchern aufgezeichnetes Fachwissen über Heilmittel und Heilwissen sowie den Umgang mit der Natur dar. Österreichs ApothekerInnen verstehen dieses tradierte Wissen als Bestandteil ihres Kulturerbes.


Ausseer Fasching

Antragsteller: Bernhard Laimer, Maschkera-Gesellschaft
Bundesland: Steiermark

Der Ausseer Fasching findet von Faschingssonntag bis Faschingdienstag statt. Drei Hauptfiguren spielen dabei eine wesentliche Rolle: Trommelweiber, Flinserl und Pless. Trommelweiber als Form des im Fasching häufigen Geschlechtertausches begleiten, angeführt vom Obertrommelweib und der Trommelweiber-Blechmusik, mit ihren rhythmischen Trommelschlägen den Faschingsumzug am Sonntag. Flinserl und Pless erscheinen am Faschingsdienstag. Die Flinserl mit ihren prächtigen Gewändern und der Begleitfigur Zacherl stellen eine spezifische Faschingsformation des Ausseerlandes dar, deren Ursprung historisch bislang nicht geklärt ist, wobei Einflüsse aus dem venezianischen Fasching vermutet werden. Die Pless mit ihren Bienenkörben auf dem Kopf sollen den Winter vertreiben. Auch Maskierte („Maschkera“) ziehen in kleinen und größeren Gruppen von Lokal zu Lokal. An allen drei Tagen werden außerdem sogenannte Faschingsbriefe in diversen Gaststätten vorgetragen, wobei Missgeschicke, Ortspolitik und lokale Gegebenheiten aus dem alten Jahr in gereimter und gesungener Form aufs Korn genommen werden, unterstützt von handgezeichneten Bildern. Diese Faschingsbriefe werden von SängerInnen aus verschiedenen Teilgemeinden des Ausseerlandes präsentiert.


Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr

Antragsteller: Alpinarium und Gemeinde Galtür, Lawinenkommission Gargellen, Montafoner Museen, Österreichischer Alpenverein, Österreichischer Berg- und Schiführerverband
Bundesland: Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg

Der alpine Lebensraum fordert von seinen BewohnerInnen eine intensive Auseinandersetzung mit dem hochkomplexen Phänomen Lawine. Die Aneignung von Wissen über Lawinen ist seit Beginn der Nutzung des Alpenraums notwendig, um dort überleben zu können. Bis heute sind Lawinen nicht vollständig durch die Wissenschaft berechen- und vorhersagbar. Umso höher ist daher der Stellenwert von Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr. Dieses Erfahrungswissen ist zum Teil ortsbezogen und wird durch alpine Organisationen, innerhalb der Familie bzw. in der Schule weitergegeben. Der Erwerb von Wissen erfolgte in der Vergangenheit durch intensive Naturbeobachtung und den schmerzhaften Lernprozess nach Lawinenkatastrophen. Die Vermittlung und Tradierung dieses Erfahrungswissens geschah jahrhundertelang mündlich von einer Generation zur nächsten. Seit dem 20. Jahrhundert – verstärkt ab den 1950er Jahren – wird es von wissenschaftlichen Forschungen ergänzt. So hat sich im Laufe der Zeit der Schutz des Siedlungsraumes und der Verkehrswege sukzessive verbessert und das Wissen im Umgang mit der Lawinengefahr wird heute von lokalen und überregionalen Gemeinschaften in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Technik und Rettungswesen vermittelt und angewendet.


Falknerei

Antragsteller: HR Dr. Harald Barsch, Österreichischer Falknerbund und Zentralstelle Österreichischer Falknervereine (ZÖF)
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Falknerei ist die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Im engsten Sinne umfasst der Terminus „Falknerei“ die Jagd mit speziell dafür abgerichteten Falken, es werden aber auch Habichte, Sperber und Adler eingesetzt. Neben der Jagd dient die Falknerei auch der Nachzucht von Greifvögeln.


Festbrauch der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau

Antragsteller: Obmann Rudolf Paschek für den Bezirksverband der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau
Bundesland: Steiermark

Fünf Bürger- und Schützengarden sind im Bezirksverband Murau organisiert: die Murauer Bürgergarde, die Schützengarde Krakaudorf, die Schützengarde Krakauebene, die Prangschützengarde Ranten und die Schützengarde der Pfarrgemeinde St. Peter am Kammersberg. Ihre Entstehungsgeschichten lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Als Ehrengarden rücken sie mehrmals im Jahr bei festlichen Anlässen und kirchlichen Prozessionen aus und erhöhen dadurch die Feierlichkeit des Geschehens. Durch die traditionelle Verbindung zur Kirche gehören Fronleichnam und das Patroziniumsfest zu den fix festgelegten Terminen der Ausrückungen. Die Garden fungieren als Ehrenschutz bei Jubiläen, Hochzeiten und Besuchen von hochrangigen Persönlichkeiten. Sie zeichnen sich durch traditionelle Uniformen und Ausrüstungsgegenstände sowie durch ihren typischen Marsch aus.


Freiungsaustragen beim Maxlaun in Niederwölz

Antragsteller: Mag. Alfred Baltzer und Ing. Rudolf Paschek für den Arbeitskreis Volkskultur Murau
Bundesland: Steiermark

„Die Austragung der Freiung“ stellt den Mittelpunkt des Festzugs beim Maxlaun Markt dar. Dieser dreitägige Markt findet jährlich am zweiten Oktoberwochenende in Niederwölz im Bezirk Murau statt. Der Name leitet sich vom Kirchenpatron Maximilian ab, dessen Fest am 12. Oktober gefeiert wird. Zu seinen Ehren wird ein Festzug veranstaltet, bei dem die Freiung, ein geschnitzter Arm aus schwarzbemaltem Holz mit einem Schwert, festlich geschmückt und in einer traditionellen Route zum Marktgelände gebracht wird. Sie war ein Zeichen für den strafrechtlichen Schutz zur Marktzeit und garantierte freien Handel und Frieden durch Waffenverbot. In der heutigen Praxis sucht der Bürgermeister den „Freiungsträger“ aus, der wiederum den sogenannten „Maxlauner“, den Wegauskehrer, bestimmt. Der Festzug wird unter anderem von der Musikkapelle, der Sängerrunde Niederwölz, der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Bergwacht begleitet.


Herstellung von Terrazzo in traditioneller Handwerkstechnik

Antragsteller: Ing. Gabriele Pia Stuhlberger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Terrazzo ist ein langlebiger, beanspruchbarer und pflegeleichter Bodenbelag mit vielfältigen Mustermöglichkeiten. Portionsweise wird mit Schaufeln Mörtel aufgetragen und je nach Terrazzoart händisch Steine mit einem Korndurchmesser von ca. 10 – 22mm dicht eingestreut. Anschließend werden die Terrazzokörner geprackt (= geschlagen), mit der eisernen Terrazzowalze gewalzt und mehrfach händisch geglättet, um eine gleichmäßige Kornverteilung zu garantieren. Nach der Aushärtung erfolgen mehrere Nassschliffe, dazwischen wird Spachtelmasse, die die TerrazzomacherInnen selbst herstellen, aufgetragen. So stellt jeder Terrazzoboden ein handwerkliches Unikat dar. Verwendet werden bevorzugt regionale Rohstoffe und die Fertigung kommt ohne chemische Zusatzstoffe aus.


Köhlerei

Antragsteller: Peter Wieser, Vorstandsmitglied im Europäischen Köhlerverein und Sprecher der österreichischen Köhler
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.


Korbmachen - Flechtkunst mit Weiden, Stroh und gespaltenem Holz

Antragsteller: Stainzer Korbflechter und Besenbinder aus dem Blaurackenverei LEiV, Kulturverein Gniebing/Weißenbach, Korbflechter aus Fruttendorf-Gießelsdorf
Bundesland: Steiermark

Die Jahrtausende alte Handwerkstechnik des Korbmachens aus unterschiedlichen natürlichen Materialen war seit jeher ein wichtiger Bestandteil des Alltages. Die Körbe, geflochten und genäht aus Weiden, Stroh und gespaltenem Holz, wurden zum Tragen und Aufbewahren von verschiedensten Dingen verwendet. In vielen Teilen Österreichs war das Flechthandwerk ein wichtiges Hausgewerbe. In der Region der Südoststeiermark haben sich eine umfangreiche Wissensvielfalt und ein Variantenreichtum der Flechtkunst erhalten. Nach dem Sammeln und Trocknen des notwendigen Materials über das Jahr treffen sich im südoststeirischen Vulkanland während der Wintermonate regelmäßig KorbmacherInnen und Interessierte. In gemeinsamen Runden und bei Veranstaltungen werden Handwerkstechniken und Materialkenntnis ausgetauscht, gelehrt und praktiziert.


Laßnitzer Volksschauspiele

Antragsteller: Raphael Bacher, Mag. Alfred Baltzer
Bundesland: Kärnten, Steiermark

Die Laßnitzer Volksschauspiele werden in unregelmäßigen, mehrjährigen Abständen in Steirisch Laßnitz aufgeführt. Wann die Spiele entstanden sind und wer sie verfasst hat, ist nicht bekannt. Schriftliche Aufzeichnungen gibt es seit dem 19. Jahrhundert, davor wurden die Stücke mündlich überliefert. Alle Stücke haben altes Brauchtum und mittelalterliche Glaubensinhalte der christlichen Weihnachts- und Osterliturgie zum Inhalt. Von einer ursprünglichen Vielzahl von Spielen stehen heute nur mehr fünf zur Verfügung. Eine Besonderheit der Laßnitzer Volksschauspiele ist die Bedeutung des Gesangs, die Schauspieler müssen deshalb auch gesangliches Talent und Musikalität mitbringen. Gesprochen und gesungen wird in alter Mundart, Gestik und Mimik sind weitestgehend vorgegeben.


Märchenerzählen

Antragsteller: Helmut Wittmann
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Märchenerzählen ist die Kunst, Menschen mit Geschichten auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.


Maultrommelspiel in Österreich

Antragsteller: Obmann Dr. Franz Kumpl für den Österreichischen Maultrommelverein
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das Maultrommelspiel zählt zu den ältesten Musikpraktiken der Menschheit und ist vor allem bei den asiatischen Turkvölkern und in Europa verbreitet. Die Maultrommel ist ein Bordun-Instrument, das aus verschiedenen Materialen, z.B. Metall oder Bambus, hergestellt wird. Dabei haben sich Zentren der Produktion und des Spiels mit eigenständigen Charakteristiken herausgebildet. Seit dem Mittelalter ist Molln die österreichische Erzeugungsstätte, wo sich sogar eine eigene Zunft der Maultrommelmacher etablieren konnte. Historisch spielte die Maultrommel im Alpenraum sowohl bei der Liebeswerbung wie auch beim geselligen Musizieren eine wichtige Rolle. In Österreich ist das Maultrommelspiel bis heute besonders durch die Wechseltechnik charakterisiert. Dabei verwendet ein Spieler zwei bis vier unterschiedlich gestimmte Maultrommeln entweder als Soloinstrument, im Duett oder als Trio, am häufigsten jedoch in Verbindung mit anderen Instrumenten.


Murauer Faschingrennen

Antragsteller: Mag. Alfred Baltzer und Ing. Rudolf Paschek, i.V. Arbeitskreis Volkskultur Murau
Bundesland: Steiermark

Dieser kräfteraubende und aufwändige Umzugs- und Heischebrauch wird in regelmäßigen Abständen von zwei bis fünf Jahren an einem bestimmten Tag im Jahr, meist am Faschingsmontag, in mehreren Orten im Bezirk Murau ausgeübt. Die Ausstattung der Faschingrenner erinnert an die einstige Kleidung der Drescher. Dennoch weisen das äußere Erscheinungsbild und die Anzahl der Faschingrenner und ihrer Begleitfiguren geringfügige örtliche Unterschiede auf. Die mitwirkenden Gruppen und Einzelfiguren bewegen sich entweder auf Fahrzeugen oder zu Fuß von Hof zu Hof und müssen vor dem Einlass Hindernisse bewältigen: entweder eine gespannte Kette (Speng) überwinden oder die Herausforderung zum Zweikampf annehmen.


Öblarner Krampusspiel

Antragsteller: Ing. Gert Planitzer
Bundesland: Steiermark

Das Öblarner Krampusspiel gehört in die Gattung geistlicher Volksschauspiele, die seit der Rekatholisierung vor allem im 18. Jahrhundert zum Bestand religiöser Unterweisung und geistlicher Belehrung der Bevölkerung dienten. Als eines der letzten steirischen Volksschauspiele wird das Öblarner Krampusspiel alljährlich Anfang Dezember von Laien als Stubenspiel in bäuerlichen Gehöften und als öffentliche Aufführung auf dem Marktplatz gespielt. Die Texte der einzelnen Spielfiguren wie Jäger, Luzifer und Gefolge, Schmied, Habergoas und Tod wurden vorwiegend mündlich überliefert und erstmals in den 1980er Jahren schriftlich erfasst. Eine erste Nachricht zum Krampusspiel in Öblarn geht auf Erzherzog Johann zurück, der 1816 bei einem Besuch in Schloss Gstatt einen Teil davon oder desselben zu sehen bekam.


Österreichische Gebärdensprache

Antragsteller: Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) bildet das soziale und kulturelle Fundament der österreichischen Gebärdensprachgemeinschaft. Sie ist die Muttersprache gehörloser Menschen in Österreich und somit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Seit 2005 ist die ÖGS rechtlich als eigene Sprache anerkannt, jedoch verstehen sich deren AnwenderInnen noch immer als sprachlich-kulturelle Minderheit in Österreich. Die ÖGS wird hauptsächlich von gehörlosen Personen gesprochen und vereinzelt auch von hörenden Menschen als zusätzliche Sprache erlernt. Sie wird österreichweit verwendet und beinhaltet Dialekte, die sich durch regionale Spezifika auszeichnen. Bereits im Jahr 1779 wurde in Wien die erste Gehörlosenschule gegründet. Seither wird die Sprache in entsprechenden Schulen, Vereinen und Familien gepflegt und überliefert. Zudem wird sie in Form von Poesie, Theater und darstellender Kunst übermittelt.


Österreichische Volkstanzbewegung

Antragsteller: Dr. Helmut Jeglitsch, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die österreichische Volkstanzbewegung wurzelt in der Forschung und Sammeltätigkeit einiger Persönlichkeiten des ausklingenden 19. Jahrhunderts und nahm Anleihen aus ländlichen oft nur noch in Resten erkennbaren Traditionen. Gleichzeitig mit der Systematisierung und Aufzeichnung der verschiedenen Tänze begann auch die Ausrichtung auf österreichische Besonderheiten. Die Tänze wurden jedoch nicht nur gesammelt und für die Nachwelt gesichert, sondern auch wieder verstärkt gelehrt und somit vor dem Aussterben bewahrt.


Österreichisches Sensenschmieden

Antragsteller: Sensenverein Österreich - Hansjörg Rinner
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Sense zählte vor der Mechanisierung der Landwirtschaft weltweit zu den wichtigsten Erntegeräten. Auch nach der Einführung von Mähmaschinen blieb sie es für bäuerliche Kleinbetriebe und somit für die regionale Grundversorgung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Günstige wirtschafts-geografische Voraussetzungen (Vorkommen von Eisen, Holz und Wasser) führten in österreichischen Regionen schon in vorindustrieller Zeit zu einem Anwachsen der Sensenerzeugung weit über den Inlandsbedarf hinaus und damit einhergehend zu einem über Jahrhunderte erworbenen Fachwissen, welches die „blaue“ Sense zu einem österreichischen Exporterfolg machte. Mit dem Aufkommen mechanisierter Erntetechniken begann die Industrie des Sensenschmiedens in Österreich jedoch zu stagnieren. Von den etwa 215 Sensenschmieden um 1900 bestehen in Österreich heute nur noch zwei Herstellerbetriebe.


Ratschen in der Karwoche

Antragsteller: Franz Ederer
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann verstummten Kirchenglocken ersetzen soll. Bei der am häufigsten verbreiteten Form des Ratschens gehen Kinder zu verschiedenen Zeiten durch den Ort, ratschen und sagen nach einem bestimmten Ablauf Sprüche auf. Die Sprüche können von Region zu Region variieren und werden entweder von älteren Kindern an jüngere weitergegeben oder von einer erwachsenen Betreuungsperson gelehrt. Der am häufigsten auftretende Spruch ist der sogenannte Englische Gruß: “Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet's nieder, kniet's nieder auf euere Knie, bet's drei Vater Unser und ein Ave Marie”. Nach dem Ratschen werden die Kinder beim sogenannten ‚Absammeln‘ mit Geld, Süßigkeiten oder Ostereiern belohnt.


Samsontragen im Lungau und Bezirk Murau

Antragsteller: Gauverband der Lungauer Heimat- und Brauchtumsvereinigungen, Gauobmann Eduard Fuchsberger
Bundesland: Salzburg, Steiermark

In Österreich ist der Brauch des Samsontragens nur im Salzburger Lungau sowie in zwei Gemeinden der angrenzenden Steiermark beheimatet. Er ist fixer Bestandteil des regionalen Brauchtumkalenders und sorgt immer für regen Zulauf.


Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Antragsteller: MMag. Michael Neureiter i.V. Stille-Nacht-Gesellschaft
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.


Taubenschießen in Altaussee

Antragsteller: Gerhard Wimmer, Taubenschützenverein Altaussee-Schneiderwirt
Bundesland: Steiermark

Das Taubenschießen in Altaussee ist ein Gesellschaftssport mit zumindest drei Schützen. Mitglieder des Taubenschützenvereins treffen sich beim Schneiderwirt, wo der Schießstand installiert ist, der wie ein großes Pendel funktioniert. Als Wurfgeschoss dient eine ca. 2kg schwere, hölzerne Taube mit eisernem Schnabel, die an einer 8m langen Kette aus Stahldrahtgliedern hängt. Hinten an der Taube ist eine Schnur befestigt, die der Schütze möglichst mit ruhiger Hand in einer Linie mit der Kette und der Mitte der Zielscheibe bringen muss. Lässt der Schütze die Schnur los, schwingt die Taube durch die Pendelbewegung in Richtung Zielscheibe und bleibt dort mit der eiserenen Spitze stecken. Der ‚Zieler‘ vermerkt am Rand der Scheibe das Schussergebnis und schwingt die Taube zurück zum ‚Aufigeber‘, der dem nächsten Schützen die Taube reicht.


Vergolden und Staffieren

Antragsteller: Waltraud Luegger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Vergolden und Staffieren wird seit der Antike praktiziert, um Objekten den Anschein massiven Goldes zu geben. Dafür gibt es unterschiedliche Techniken, wie die Poliment- und Ölvergoldung. Staffieren, früher als Fassmalerei bekannt, bedeutet das Bemalen und Fassen von nicht vergoldeten Oberflächen. Dazu zählen unter anderen das Marmorieren, Holzimitation und die Porzellanimitation. Das Wissen über die komplexen Techniken wird in weiten Teilen mündlich weitergegeben und bis zur Beherrschung dauert es mehrere Jahre. Die Blütezeit des Vergoldens und Staffierens lag im Barock und Rokoko und auch im Jugendstil und Art Deco waren diese Techniken hochgefragt. Ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm das Interesse stark ab, zeitgenössische Architektur sieht heute kaum mehr Veroldungen vor, sodass immer weniger Handwerksbetriebe vorhanden sind, um die Techniken auszuüben und zu tradieren.


Wiener Stimmung und Spielweise der Zither

Antragsteller: Cornelia Mayer, Univ. Ass. Mag. Katharina Pecher-Havers
Bundesland: Oberösterreich, Steiermark, Wien

Die für die Wiener Stimmung charakteristische Form der Besaitung und die zugehörige Spielweise entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien und werden erstmals in der Zitherschule von Carl Ignaz Umlauf 1859 beschrieben. Rasch verbreitete sich Wiener Stimmung und Spielweise der Zither und wurde schließlich auch durch zahlreiche Zitherschulen und -vereine zum Masseninstrument der Arbeiterklasse. Das gemeinsame Spiel begünstigte sozialen Zusammenhalt und kulturelle Identität. Mit dem Thema zum Film „Der 3. Mann“ wurde die Wiener Stimmung und Spielweise der Zither weltberühmt. Sie wird heute noch in Wien, Nieder- und Oberösterreich sowie in der Steiermark verwendet.


Wissen um die Lipizzanerzucht

Antragsteller: SHS/Bundesgestüt Piber
Bundesland: Steiermark

Der Lipizzaner ist europaweit die einzige Repräsentationspferderasse, die seit der Renaissance ungebrochen nach traditioneller Art gezüchtet wird. Dahinter steht ein umfangreiches Wissen um Zucht, Haltung und Ausbildung der Pferde, das seit mehr als 400 Jahren von Generation zu Generation im Wesentlichen mündlich weitergegeben wird. Träger dieses Wissens in Österreich sind die MitarbeiterInnen des Bundesgestüts Piber, das seit 1920 Lipizzaner für die Spanische Hofreitschule in Wien züchtet. Alle stammen aus der Region um Piber und haben eine starke Bindung zu den Lipizzanern, was sich mitunter in der Entstehung einer eigenen Sprache zur Beschreibung der Pferde ausdrückt, etwa die „römische Nase“ betreffend. In direktem Kontakt mit den Pferden werden ‚die Gstütler‘ jahrelang von erfahrenen Routiniers ausgebildet. Die Basis der Weitergabe des Wissens sind die täglichen Visiten aller Stallungen und Tagesbesprechungen, wo die Zuchtherde gemeinsam kontrolliert und laufend durchdiskutiert werden. Neben dem Gestütsbetrieb ist auch der internationale Austausch mit anderen Lipizzanergestüten essentiell, denn ein geschärfter "Züchterblick" erhält sich nur in der permanenten Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Vergangenheit.


Wissen um traditionellen Samenbau und Saatgutgewinnung

Antragsteller: Verein ARCHE NOAH
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Jede Kultur hat spezifische Arten und Sorten als Nahrungspflanzen hervorgebracht und das Wissen und die Techniken haben sich den Ernährungsgewohnheiten und den klimatischen Voraussetzungen angepasst. BäuerInnen und GärtnerInnen haben durch gezieltes Anbauen, Pflegen, Auswählen, Nutzen und Vermehren eine enorme Vielfalt geschaffen. Das Wissen um Samenbau, Samenernte, Selektion, Reinigung und Lagerung wurde und wird in Familien, aber auch in Gemeinschaften von Generation zu Generation weitergegeben. Die bestens an die regionalen Bedingungen angepassten Hof- und Lokalsorten sind nicht nur Ernährungsgrundlage von Familien, Gemeinschaften und Regionen, sondern schaffen innerhalb dieser auch gemeinsame Identität. So sind etwa der Lungauer Tauernroggen, die Wildschönauer Krautingerrübe oder der Vorarlberger Riebelmais unmittelbar mit lokalen Produkten bzw. Gerichten verbunden.